Konzeption        
Rehbergschule Wetzlar
Außenstelle der Rehbergschule Herborn

Schule mit dem Förderschwerpunkt
kranke Schülerinnen und Schüler  

Klinikschule an der
Vitos kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik


Die Tagesklinikschule Wetzlar ist eine Außenstelle der Rehbergschule Herborn und untersteht den Weisungen des Staatlichen Schulamtes für den Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Limburg-Weilburg. Schulträger ist der Landeswohlfahrtsverband Hessen. Die derzeit maximal 15 SchülerInnen sind PatientInnen der Vitos kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik Wetzlar. Unterrichtet werden SchülerInnen aller Schulformen (Grund-, Haupt- und Realschulen, Gymnasien und Förderschulen). Es werden alle Klassenstufen - vom 1. bis zum 13. Schuljahr - nach den jeweiligen Bildungsstandards, Rahmen- bzw. Lehrplänen des Landes Hessen, entsprechend den hessischen Richtlinien für kranke Schülerinnen und Schüler unterrichtet.  

Aufgrund ihrer krankheitsbedingten Situation können die SchülerInnen der Schule mit dem Förderschwerpunkt kranke Schülerinnen und Schüler (im Folgenden „SfK“) ihre Stammschulen in dieser Zeit nicht besuchen und nehmen am Unterricht der Tagesklinikschule teil (sogenannte interne Beschulung). Andere PatientInnen der Tagesklinik besuchen, möglicherweise von Beginn an oder nach interner Beschulung, ihre Stammschule (sogenannte externe Beschulung). Auch sie erhalten pädagogische Unterstützung, Vorbereitung und Begleitung durch die SfK.

Ob und wie lange PatientInnen extern oder intern beschult werden, ist von der krankheitsbedingten und persönlichen Situation abhängig. Die Klinikschule äußert sich in diesem Zusammenhang empfehlend. Die Entscheidung darüber obliegt der Vitos kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik.

Während ihres Aufenthaltes befinden sich die SchülerpatientInnen in einer persönlichen und emotionalen Ausnahmesituation und bedürfen daher einer besonderen pädagogischen Zuwendung, Begleitung und Förderung. Der Unterricht findet in Kleingruppen, aber auch gelegentlich (in besonderen Situationen) in Einzelsituationen statt, angepasst an die aktuelle individuelle Belastungsfähigkeit, bzw. gesundheitlichen Umstände.

Die Kinder und Jugendlichen werden - sowohl inhaltlich als auch sozial - individuell angenommen und gefördert. Ihr  Wert als Mensch soll spürbar empfunden und vermittelt werden, wonach jede/r ein wichtiger Teil der Gemeinschaft ist („Wer bin ich, wenn ich nirgendwo dazugehöre?“, Varnhagen).

In ihrem Schulprogramm hat die Rehbergschule Herborn bereits folgende pädagogische Grundsätze und Ziele eindeutig beschrieben:

Pädagogische Grundsätze und Ziele

Die Rehbergschule als Schule für Kranke an einer Kinder- und Jugendpsychiatrie will den besonderen pädagogischen Förderbedarf der psychisch erkrankten Schülerinnen wahrnehmen und ihm entsprechen.
Die dazu erforderliche sonderpädagogisch orientierte Unterrichtsgestaltung bezieht eine den Unterrichtsprozess begleitende pädagogische Diagnostik ein, die sich sowohl auf Lern- und Leistungsverhalten als auch auf die soziale Integration in die Lerngruppe bezieht.
Die Aufmerksamkeit der Lehrerinnen gilt deshalb der Begleitung ihrer Schülerinnen in ihrer speziellen psychischen Notsituation und der Entfaltung ihrer Kreativität und Potentialität im Rahmen schulischen Lernens. Oberstes Ziel ist entsprechend der KMK-Empfehlung vom 20.03.1998 „die Gestaltung von Lernsituationen, die geeignet sind, das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl unter Anerkennung individueller Leistungsmöglichkeiten und -grenzen zu stärken und Handlungsmöglichkeiten der Schülerinnen auszuschöpfen und zu erweitern."
Auch wenn fächerorientierte Lernziele angestrebt werden, wird von einem ganzheitlichen pädagogischen Ansatz ausgegangen, der die gesamte Schülerperson in ihrer momentanen Verfassung annimmt und begleitet. Personenorientierung, angstfreies und von guter Beziehung geprägtes Lernklima, die Stärkung der gesunden Anteile sind Kennzeichen dieser besonderen Förderung kranker Kinder und Schülerinnen. Schwerpunkt der Rehbergschule ist in diesem Kontext die interdisziplinäre Zusammenarbeit im klinischen Team. In wöchentlichen Koordinationskonferenzen und Behandlungsplanungen auf den einzelnen Stationen werden Lehrerbeobachtungen, pädagogische Überlegungen und Ergebnisse, Erfahrungen aus den Begegnungen mit den Schülerinnen weitergegeben, der Bereich der schulischen Entwicklung (…)   [ in Zusammenarbeit mit den Therapeuten der Tagesklinik ]  reflektiert. Als Interim-Schule hat die Rehbergschule einen Beratungsauftrag gegenüber Lehrerinnen der Stammschulen oder aufnehmenden Schulen, den Personensorgeberechtigten, den Jugendämtern und den Klinikmitarbeiterinnen für die nachstationären Möglichkeiten schulischer Betreuung oder Berufsorientierung.
[bezieht sich allein auf die Rehbergschule, Außenstelle Wetzlar]

Die Rehbergschule Wetzlar steht im Austausch mit verschiedenen Kooperationspartnern:
Enge Kooperation und intensiver Austausch werden naturgemäß mit den MitarbeiterInnen der Tagesklink gepflegt. Ansprech- und Austauschpartner sind hier das Erziehungs- und Pflegepersonal sowie die Therapeuten, Psychologen und Ärzte. Weitere wichtige Kooperationspartner sind die Stammschulen, BFZ-Lehrkräfte, zuständige Schulämter, Schulpsychologischer Dienst und die kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz. Fallabhängig findet auch ein Austausch mit Jugendämtern und anderen Institutionen statt.     
In regelmäßigen Abständen evaluiert  das Kollegium der Rehbergschule Wetzlar zusammen mit den Fallverantwortlichen der Tagesklinik in sogenannten Kooperationsgesprächen die Entwicklung der Reintegrationsprozesse. Mit den Stationen werden neben den wöchentlichen Koordinationskonferenzen (siehe unten)  in regelmäßigen Gesprächsrunden die gemeinsame Arbeit an den Schülerpatienten abgestimmt und evaluiert. Da sich die SchülerInnen täglich im privaten Umfeld befinden, sind auch der Kontakt und die Zusammenarbeit mit den Eltern wichtig.
 
Reintegration  -  Rehbergschule, eine Schule auf Zeit

Die Tagesklinikschule, als Interims-Schule, hat die Reintegration der SchülerInnen in den Regelschulbereich zum Ziel. Eine Lehrperson ist daher „fallbeauftragt“ und unterstützt den Reintegrationsprozess unter Berücksichtigung der kollegialen Kooperation im multiprofessionellen Team. In Schul-Netzwerk-Gesprächen wird über die schulische Perspektive, bzw. weitere Schullaufbahn beraten. Diese Gesprächsrunden dienen dem Informationsaustausch und der Sensibilisierung für die individuellen Besonderheiten und Bedürfnisse der Schülerpatienten sowie Beratung der Stammschulen. Hier werden die Aspekte angesprochen, die einen erfolgreichen Reintegrationsprozess und die weitere Schullaufbahn in speziellen Einzelfall ermöglichen können. In Vorbereitung auf die Rückführung der SchülerInnen in die Stammschule, besonders gegen Ende des Aufenthaltes, sind diese Schulnetzgespräche an unserer Tagesklinik-Schule obligat.  Daran nehmen je nach Erfordernis SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen und Schulleitung der Rehbergschule und der Stammschule, BFZ-Lehrkräfte als auch fallverantwortliche Ärzte und Psychologen sowie Bezugspersonen der Klinik teil. Bei Bedarf werden auch Sozialhelfer und Mitarbeiter des Jugendamtes und andere Institutionen eingeladen.

Lernen im sozialen Kontext

Für unsere SchülerInnen, die sich in dieser Zeit häufig in einer akuten Krankheitssituation befinden, soll, neben schulisch-inhaltlicher Förderung und Entwicklung von Lernkompetenzen, besonderer Schwerpunkt auf die soziale Stabilisierung gelegt werden. Angemessene Selbsteinschätzung, die Entwicklung eines positiven Selbstwertgefühls sowie nötige Gruppenfähigkeit (Sozialkompetenzen), sind als wesentliche Voraussetzungen für den Regelschulübergang anzustreben. Die genannten Ziele, Aufbau von Gruppenfähigkeit, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, beinhalten das Anerkennen individueller Aspekte und das Erfahren persönlicher Leistungsmöglichkeiten und -grenzen. Die genannten Elemente zu stärken und Handlungsmöglichkeiten der SchülerInnen auszuschöpfen und zu erweitern, damit sie wieder im Regelschulbetrieb erfolgreich sein können, sind wesentliche Aufgaben dieser besonderen Schulform. Das heißt folglich: Fördern des sozialen Miteinanders und exemplarische und/oder projekthafte Vermittlung schulischer Inhalte. Dabei werden (so weit wie möglich) Themen mit sozialen Bezügen gezielt gewählt.

Bildungs-, Erziehungs- und Beziehungsauftrag

Damit die genannten Ziele erreicht werden können, nimmt die „Schule mit dem Förderschwerpunkt kranke Schülerinnen und Schüler“ neben dem Erziehungs- und Bildungsauftrag auch den „Beziehungsauftrag“ an. Ein Bezugsaufbau und die Entwicklung eines Vertrauensverhältnisses zwischen SchülerIn und LehrerIn sind grundlegend erforderlich, damit Lernen bei diesen hoch belasteten Kindern und Jugendlichen wieder besser gelingen kann. Dieser Aspekt nimmt neben dem Schulisch-Inhaltlichen einen bedeutenden Raum im Unterricht ein. Immer wieder ist dabei gründliche Beobachtung und Reflexion im Helferteam von Bedeutung.

Übersicht über organisatorische Abläufe

Die SchülerInnen werden von der Tagesklinik an der Rehbergschule angemeldet. Der Anmeldung liegt eine Schweigepflichtsentbindung bei, welche die Klinik von der ärztlichen Schweigepflicht gegenüber der Rehbergschule entbindet.
Daraufhin findet ein Aufnahmegespräch an der Rehbergschule statt, in dem Eltern bzw. Sorgeberechtigte die Kinder bzw. Jugendlichen formal anmelden. Dies ist aus rechtlichen Gründen angebracht, zudem sollen Eltern bzw. Personensorgeberechtigte in ihrer Verantwortung entsprechend wahrgenommen und gewichtet sein. Eine separate Schweigepflichtsentbindung, die die Rehbergschule auch gegenüber Stammschulen und sonstigen Behörden (z.B. Schulamt, Jugendamt) befreit, ist von den Personensorgeberechtigten hierbei zu unterzeichnen. Das Aufnahmegespräch beinhaltet die Registrierung von persönlichen Daten und auch die Darstellung der besonderen und persönlichen Situation aus Sicht der Eltern und/oder SchülerInnen, bezogen auf schulische Fragestellungen.
Diese oben genannten Abläufe sind Voraussetzung für eine Beschulung an der Rehbergschule in  Wetzlar.

In wöchentlichen Koordinationskonferenzen werden organisatorische und terminliche Abstimmungen mit der Tagesklinik getroffen wie auch aktuelle Ereignisse und Abläufe erörtert. Beobachtungen und Erfahrungen zu einzelnen Schülersituationen (kurze Fallübersicht), pädagogische und therapeutische Einsichten und Überlegungen tauschen die Beteiligten von Klinik und Schule dort sowie in regelmäßig stattfindenden Fallbesprechungen aus
(Näheres dazu siehe Schulprogramm Rehbergschule Herborn bzw. Regelung an KJP, Herborn).

Gemeinsam, vereinzelt auch mit den Kolleginnen der Rehbergschule Herborn, werden in „kollegialen Fallberatungen“ (bzw. Supervisionen) Arbeitsprozesse und besondere Fallsituationen reflektiert. Neben den regelmäßigen Pädagogischen Konferenzen im kleinen Kollegium treffen sich die Kollegien der beiden Außenstellen an den Tageskliniken Limburg und Wetzlar regelmäßig zur gemeinsamen Abstimmung bzw. pädagogischen Konferenzen und Evaluation.

Die Leitung der Außenstelle tagt mindestens monatlich gemeinsam im Leitungsteam mit der Schulleitung der Hauptstelle Herborn und Leitung der Außenstelle Limburg. Auch zwischen leitender Ärztin der Tagesklinik und Leitung der Außenstelle ist ein jour fixe vereinbart.

Rehbergschule Wetzlar

         Außenstelle Wetzlar              

Sophienstrasse 7
35576 Wetzlar

        

06441 - 9 63 85 60
06441 - 9 63 85 61
leitung.wetzlar
@rehbergschule.de

Der Pausenchor

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Tagesklinikkonzept

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Unterrichtskonzept

Ambulante Beschulung

 

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Schulvorbereitender Unterricht

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